Rezension: DU WOLLTEST ES DOCH

Deutscher Titel: Du wolltest es doch
Originaltitel: Asking for it
Autor: Louise O’Neill
Verlag: Carlsen
Genre: Jugendbuch, Drama
Erschienen am: 25.07.2018
Seiten: 368

Preis: Hardcover 18,00€
Preis: eBook 12,99€

Kaufen bei Amazon

ISBN: 978-3-551-58386-4
Leseprobe: Amazon

Cover ©


Rückseite:

Emma ist hübsch und beliebt, die Jungs reißen sich um sie. Und sie genießt es, versucht, immer im Mittelpunkt zu stehen: Das Mädchen, das jeden herumkriegt. Bis sie nach einer Party zerschlagen und mit zerrissenem Kleid vor ihrem Haus aufwacht. Klar, sie ist mit Paul ins Schlafzimmer gegangen. Hat Pillen eingeworfen. Die anderen Jungs kamen hinterher. Aber dann? Sie erinnert sich nicht, aber die gesamte Schule weiß es. Sie haben die Fotos gesehen. Ist Emma wirklich selber schuld? Was hat sie erwartet – Emma, die Schlampe in dem ultrakurzen Kleid?


Cover:

Das Cover ist sehr aussagekräftig, obwohl es nur zwei nackte Beine zeigt, auf denen ‚DU WOLLTEST ES DOCH‘ steht. Die Frau liegt auf einer mit Rosen bedruckten Bettwäsche, passend zur Geschichte. Ein beeindruckendes Cover, das sehr gut zu dem Thema des Buches passt.


Meine Zusammenfassung und Meinung:

Emma O’Donovan ist 17 Jahre jung und unglaublich hübsch. Sie weiß das auch und bildet sich viel darauf ein, doch kann sie dies nicht so offen zeigen, da sie nicht als Zicke abgestempelt werden möchte. Ihren Freunden Ali, Jamie und Maggie gegenüber ist Emma nicht immer freundlich und stellt sich häufig in den Vordergrund. Doch das ändert sich, als sie an einem Samstag zur Party von Sean geht. Eine Party, auf der Emma sich einen begehrten Footballer angeln möchte. Eine Party, auf der sie allen zeigen möchte, dass sie nicht die langweilige Emma ist. Eine Party, die alles verändern wird …

Ich schreibe diese Rezension, während ich noch an dem Buch lese, aber ich möchte meine Gedanken nicht vergessen und mit euch teilen. Zum ersten Mal von dem Buch gelesen habe ich in der Carlsen-Verlagsvorschau Herbst/Winter 2018. Danach im Juli dann auf Instagram. Ich wollte dieses Buch mit diesem wichtigen, schockierenden Thema #metoo unbedingt lesen. Am Anfang lernt der Leser Emma kennen: Emma, die super hübsch ist, die eine irgendwie merkwürdige Mutter hat. Emma, die immer sehr figurbetonte Kleidung trägt und die alle haben kann. Emma, die eine Rolle spielt, um sich in ein gutes Licht zu rücken. Emma, die ihren Freundinnen eigentlich nichts gönnt. Wirklich sympathisch ist sie mir nicht wirklich gewesen, aber sie hat es in ihrer Familie auch nicht so wirklich leicht, den Ansprüchen ihrer Mutter gerecht zu werden. Doch die aus Neid und Missgunst fallenden Bemerkungen zu ihren Freundinnen und Schulkameraden sind da trotzdem nicht gerechtfertigt.

Dann kommt der Tag der Party. Emma trinkt, flirtet und nimmt ihr unbekannte Tabletten, um vor den Anderen cool zu sein. Teilweise erfährt man als Leser sofort, was auf der Party passiert, teilweise aber auch erst im weiteren Verlauf der Geschichte. So beginnt Emmas Martyrium. Es tauchen Fotos auf, an die Emma sich nicht erinnern kann. Fotos, die unglaublich erscheinen und doch wahr sein müssen. Fotos, die absolut widerlich sind und nicht in die Öffentlichkeit gehören. Fotos, die alles ruinieren, was Emma sich aufgebaut hat. Fast alle Freunde wenden sich von ihr ab, bis auf einer. Es kommen Anfeindungen, die einfach nur pervers sind. Hilfe nimmt Emma nicht an, obwohl alle wissen, was ihr passiert ist: Sie wurde vergewaltigt. Sie wurde sexuell benutzt, ohne dafür ihr Einverständnis gegeben zu haben. Doch gerade ihre Mitschüler glauben dies nicht, denken, sie habe sich das nur ausgedacht und finden, dass Emma selbst schuld ist, da sie ja mit ihren knappen Shirts, Shorts und Kleidern quasi darum gebettelt hat.

Danach ist für Emma alles anders: Sie wird anders angesehen und anders behandelt. Sichtweisen ändern sich, sobald gewisse Menschen erfahren, dass die Fotos nicht freiwillig entstanden sind. Eine Gerichtsverhandlung steht an, was noch mehr Hass auf Emma schürt. Doch auch Emma hat sich verändert: Sie ist abweisend, kann Berührungen nicht mehr ertragen, versinkt in Selbsthass, wird depressiv und hegt Selbstmordgedanken. Das Wort Vergewaltigung kann sie nicht hören, verabscheut es, weil es ihr Leben und das Leben der anderen kaputtgemacht hat. Ihre Familie fängt unter dem Hass und dem Druck an zu brechen. Und das alles nur, weil Emma am Anfang gesagt hat, dass alles nur ein Spaß war und sie nur so getan hat, als wäre sie bewusstlos. So fing es an und wird zur Abwärtsspirale, die Emma nur auf einem Weg aufhalten kann.

DU WOLLTEST ES DOCH ist aus Emmas Sicht in der ‚Ich‘-Form geschrieben. Der Schreibstil ist flüssig zu lesen. Allerdings gibt es immer noch ein paar von Emmas Anmerkungen/Gedanken in Klammern, um dem Leser manche Situationen/Ereignisse/Denkweisen besser zu verdeutlichen. Das ist schon etwas merkwürdig und gewöhnungsbedürftig, aber irgendwie auch hilfreich, denn daran erkennt man als Leser, was Emma wirklich denkt und fühlt. Besonders hervorheben möchte ich noch das Nachwort der Autorin, die selbst mit Vergewaltigungsopfern gesprochen hat sowie das Nachwort zur deutschen Ausgabe, das Kraft schenken und Mut machen soll, das aufklärt und sagt, dass es okay ist, NEIN zu sagen. Dass der Körper trotz knappen Klamotten nicht dazu auffordert, ‚belästigt zu werden‘. Es geht darum zu lesen, was betroffenen Personen (so oder so ähnlich) durch den Kopf geht, wie sie sich fühlen, was sie durchmachen.

Das Buch regt zum Nachdenken und Diskutieren an. Mein Mann und ich haben, nachdem ich das Buch beendet habe, den ganzen Abend lang noch darüber diskutiert, wie es sein kann, dass Menschen auf diese kranke Idee kommen, eine Frau zu belästigen und sexuell zu benutzen, ohne dass sie es will. Den Respekt eines Menschen mit Füßen zu treten und sich über ihn hinwegzusetzen. Aber es gibt eben diese Menschen, die Gesetze und Grenzen nicht respektieren. Leider wird es sie immer geben, denn manchmal können diese Personen auch einfach nichts dafür, weil sie wirklich medizinisch krank sind. Aber das soll nur ein Einblick sein über das, worüber mein Mann und ich angefangen haben zu sprechen.

Letzten Endes erinnert sich Emma nicht mehr daran, was am Abend dieser Party wirklich passiert ist. Doch eins ist klar: Sie war nicht bei Bewusstsein, und eine bewusstlose Frau zu etwas zu benutzen, was diese sicher nicht gewollt hätte, ist eine Vergewaltigung. Für so etwas muss sich niemand schämen, sondern nur den Mund aufmachen und es anzeigen. Denn ein NEIN ist ein NEIN! #metoo


Bewertung:

Natürlich wusste ich bereits vor dem Lesen, was in DU WOLLTEST ES DOCH passiert und welches Thema behandelt wird. Es geht um die Vergewaltigung eines Mädchens, das wehrlos zu etwas gezwungen wurde, was es niemals tun würde. Es geht um Victim Blaming (Opfer-Beschuldigung) und Slut-Shaming (Schämen des Opfers), es geht um wollen und nicht wollen, es geht um das NEIN, das jedem Menschen zusteht. Es geht um Alkohol, Drogen, Ansehen, Neid, Hass, Lügen, aber auch um Freundschaft und Familie. Es geht in diesem Buch um so vieles. Natürlich ist das Thema sehr … krass und eventuell auch fragwürdig, aber es wurde meiner Meinung nach sehr gut umgesetzt. Von mir eine klare Leseempfehlung!


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.