Wie die Schweine

Deutscher Ttitel: Wie die Schweine
Originaltitel: Cadáver exquisito
Autor: Agustina Bazterrica
Verlag: Suhrkamp
Genre: Dystopischer Roman
Erschienen am: 20.01.2020
Seiten: 236

Preis: Klappbroschur 15,95€
Preis: eBook 13,99€

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ISBN: 978-3-5184-7023-7
Leseprobe: Suhrkamp

Cover ©


Rückseite:

Marcos verantwortet die Produktion einer Schlachterei. Er kontrolliert die eingehenden Stücke, kümmert sich um den korrekten Schlachtvorgang, überprüft die Qualität, setzt die gesetzlichen Vorgaben um, verhandelt mit den Zulieferern … Alles Routine, Tagesgeschäft, Normalität. Bis auf den Umstand, dass in der Welt, in der Marcos lebt, Menschen als Vieh zum Fleischverzehr gezüchtet werden.

Dieser Roman hält uns Fleischfressern kompromisslos den Spiegel vor. Er stellt Fragen in den Raum – nach Moral, Empathie, den bestehenden Verhältnissen. Und er verschafft, was nur die Literatur verschafft: neue Einsichten, neue Gefühle, nachdem alle Argumente längst ausgetauscht sind.


Cover:

Das Cover zeigt ein unter Folie abgepacktes Stück rotes Fleisch. Als Aufkleber auf der Verpackung sind der Titel und der Name der Autorin zu lesen. Ebenso Verlag, Gewicht (des Buches, nehme ich mal an), ISBN und Preis. Über dem Preis steht noch die Zahl 100 % und daneben ist die Silhouette eines Menschen abgebildet. Das Cover passt unheimlich gut zur Geschichte und erregt erst einmal Aufmerksamkeit. Und wenn man eben genau hinsieht, entdeckt man Hinweise auf die Geschichte. Ich finde die Coveridee sehr gut und auch den Titel ‚Wie die Schweine‘ klasse. Denn Menschen werden hier ‚wie die Schweine‘ behandelt.


Meine Zusammenfassung und Meinung:

Marcos hat eine große Verantwortung in der Schlachterei, in der er arbeitet. Er sorgt dafür, dass gute Ware geliefert wird, dass die Schlachtung ordnungsgemäß und ohne Probleme verläuft und dass der Firma nie die Mitarbeiter ausgehen. Doch das Besondere an Marcos Arbeit ist, dass er in einer Schlachterei arbeitet, in der Menschen geschlachtet werden. Durch ein unbekanntes Virus konnten Schweine, Rinder und andere Tiere nicht mehr zum Verzehr geschlachtet werden. Also haben die Menschen nach anderen Alternativen gesucht: Menschenfleisch. Sie züchten also Menschen heran, die gemästet, geschlachtet und gegessen werden, um die Fleischgier zu befriedigen. Als Marcos dann ein eigenes ‚Weibchen‘ geschenkt bekommt, verändert sich für Marcos alles …

Ich war mir am Anfang nicht sicher, ob ich zu diesem Buch eine Rezension schreiben soll. Letztendlich habe ich mich doch dazu entschieden, weil mir die Geschichte nicht aus dem Kopf geht und ich so viel dazu und darüber sagen bzw. schreiben möchte. Für alle, die sich nicht sicher sind, ob sie das Buch interessiert oder abkönnen, empfehle ich einen Blick in die Leseprobe (aber Achtung, es ist schon sehr krass beschrieben). Schon gleich am Anfang wird einiges erklärt, da bekommt ihr einen guten Einblick in die Geschichte und den Schreibstil. Und so geht es noch über 200 Seiten weiter. Da dieses Buch nichts für schwache Nerven (und Mägen) ist, empfehle ich das wirklich dringend, denn es ist meiner Meinung nach harte Kost.

Nun aber zum Inhalt: Die Geschichte spielt in einer Welt, in der ein unbekanntes Virus alle Tiere tötet bzw. fast alle. Es gibt keine Schweine mehr, keine Rinder, Schafe oder Ähnliches. So sucht sich die Menschheit einen Ersatzstoff, und kommt auf die ‚glorreiche‘ Idee, Menschen zum schlachten zu züchten. Wer bis hier gelesen hat, sollte nicht zimperlich sein. Es wird echt krass ekelig und brutal, und darauf möchte ich eingehen. Ich möchte da nur noch einmal vorwarnen. Also, weiter im Text. Es werden Menschen gezüchtet, die dann geschlachtet und als Premiumfleisch gegessen werden. Dies wird der ‚Übergang‘ genannt. Es ist so krass, das zu lesen und zu wissen, dass es bei Tieren, z. B. den bereits angesprochenen Schweinen oder Rindern, genau so gemacht wird.

Die Geschichte dreht sich um Marcos, der in der Schlachterei arbeitet. Früher hat er in der Tierschlachterei seines nun dementen und verwirrten Vaters gearbeitet, nun ist er Angestellter in einer Menschenschlachterei. Er hat vor kurzem einen Schicksalsschlag erlitten, und seinen kleinen Sohn Leo verloren. Seine Frau konnte dies nicht verkraften und ist vorübergehend zu ihrer Mutter gezogen, um von Marcos und dem Haus Abstand zu bekommen. Marcos scheint seine Tätigkeit und die Tatsache, dass Menschen zum Verzehr gezüchtet werden, übrigens nicht zu gefallen. Er hegt Zweifel an dem System, an dem, was er tut. Er isst selbst kein Fleisch mehr, was schon so ein Zeichen ist, und von anderen kritisch gesehen wird. Aber Marcos weiß eben, wo das Fleisch herkommt, wie es mal aussah und wie es getötet wurde.

Geschrieben ist das Buch aus der Erzählerperspektive, also nicht aus Marcos Sicht oder in der Ich-Form. Es sind meist kurze Sätze. Auch den Titel ‚Wie die Schweine‘ finde ich sehr passend gewählt. Menschen werden wie die Schweine gezüchtet und geschlachtet. Ihnen werden die Stimmbänder entfernt, damit sie nicht schreien können. Sie werden zur Fortpflanzung gezwungen, um neues Premiumfleisch zu produzieren. Es ist so krank und krass und ekelig. Aber das Schlimme ist, dass es mir persönlich bei Menschen abartig und grausam vorkommt. Bei Tieren allerdings … ist es ’normal‘. Jedenfalls fühlt es sich (für mich) natürlicher an. Genau so, wie es hier mit Menschen oder Stücken gemacht wird, ergeht es täglich vielen Millionen Tieren. Die Grausamkeit der Menschen, die Brutalität … Es ist einfach schockierend.

Ich finde, jeder, der Fleisch konsumiert, sollte dieses Buch mal gelesen haben. Warum? Weil es auf die perverse Maschinerie hinter dem Schnitzel, der Bratwurst oder dem Braten hinweist. Weil wir nur das Stück Fleisch sehen, namenlos, ohne daran zu denken, dass ein Schnitzel nicht am Schnitzelbaum wächst, sondern von einem lebenden Tier stammt, das vermutlich vor seinem Tod gelitten hat. Sei es durch den Transport oder die gewaltsame Tötung. Auch wenn mit ‚von glücklichen Kühen/Schweinen‘ irgendwo geworben wird, ist das Tier trotzdem tot. Denkt daran, wenn ihr das nächste Mal Fleisch esst. Esst verantwortungsbewusst, nicht jeden Tag Fleisch. So kann auch der kleine Betrieb überleben, denn gerade in der industriellen Fleischherstellung geht es so grausam zu. Das ist Massenabfertigung und Haltung in viel zu kleinen Ställen, sprich Tierquälerei oder hart an dessen Grenze. Schaut euch die Dokus an, die es darüber gibt. Sie werden euch die Augen öffnen.

Entschuldigt, ich schweife ab. Das Buch ist definitiv ein sehr gutes und lesenswertes Buch für alle, die an dem Thema interessiert sind und/oder (viel) Fleisch essen. Und die Geschichte nimmt einen Verlauf, mit dem ich so nicht gerechnet habe. Es zeigt die Abgründe der Menschen, wozu sie in extremen Situationen fähig sind. Sie verzehren Menschen, halten sich Menschen, jagen Menschen. Menschen gehen für ihren Fleischkonsum über Leichen, nur sind es hier keine Tierleichen, sondern Menschenleichen. Das ist Kannibalismus. Die Geschichte lässt die Gefühle der Menschen (oder ‚Stücke‘, wie sie häufig genannt werden) häufig erahnen. Die Welt, in der Marcos lebt, kann einen Verbrecher auch zur Bestrafung in die Schlachterei schicken: als Opfer. Ich meine, wie krass ist das denn? Über das Weibchen, das er geschenkt bekommt, schreibe ich jetzt mal nichts weiter, das müsst ihr selbst herausfinden. Ich glaube, ich würde sonst einfach zu viel verraten.

Und auch Tiere haben Gefühle, können Schmerzen spüren und leiden. Das sollte den Tieren erspart bleiben. Ein verantwortungsbewusster Fleischkonsum kann den Tieren viel Leid und Qualen ersparen. Denn je wenige Fleisch gegessen wird, desto weniger Tiere werden gezüchtet und somit geschlachtet. Die Industrie reagiert auf die (große) Nachfrage mit einem entsprechend großen Angebot. Jedes Umdenken, jede positive Verhaltensänderung hilft, dass Tiere besser behandelt werden, und nicht so viele Tiere gezüchtet werden müssen. Kauft, wenn möglich, Fleisch bei einem lokalen Fleischer, nicht beim Supermarkt zum Schleuderpreis. Auch wenn es teurer ist, ihr tut etwas fürs Tierwohl. Esst weniger Fleisch, es gibt heutzutage schon so gute Alternativen.

Zusammengefasst ist ‚Wie die Schweine‘ ein wirklich geniale dystopische Geschichte, die noch lange nachwirkt und mir definitiv im Gedächtnis bleiben wird. Ich werde mein Fleischverhalten auf jeden Fall überdenken und auch ändern. Und das ist meiner Meinung nach schon ein großer Erfolg des Buches.


Bewertung:

‚Wie die Schweine‘ ist ein wirklich geniales, krasses, brutales und schockierendes Buch über Menschen, die für den Verzehr gezüchtet und geschlachtet werden. Menschen vergessen, von wo das Fleisch herkommt, und was dafür getan werden muss. Es geht um Kannibalismus, denn Menschen essen hier Menschen. Von mir gibt es fünf Sterne und eine klare Leseempfehlung.


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